Florian Rexer ist ein Mann des derben Humors und ein begnadeter Entertainer. Neben seinen Schlossfestspielen in Hagenwil organisiert er Themen-Events:
Grusel-, Tatort- und Mafiadinner. Als Mafiaboss «Götti», für den er den Swiss Comedy Award 2015 gewonnen hat, trat er am Samstag im «Bären» Hundwil auf.

tagblatt 2015 12 7Das muss man Florian Rexer lassen – sein Marlon-Brando-Pate ist formidabel: Im Gesichtsausdruck der blasiert-melancholische Zynismus des Mafiabosses, das schmale Oberlippenbärtchen markiert den Fiesling, die Watte-Pads in den Backen verwandeln das Gesicht in eine grobschlächtige Gangstervisage. Dabedient er sich stilecht in der Filmgeschichte. Francis Ford Coppolas «Der Pate» aus dem Jahr 1972 war und ist stilbildend für das gesamte Mafia-Genre. Hier knüpft Rexer an, krault wie Marlon Brandos Pate ein Büsi, stürzt dann aber die Bühnenfigur, sich selbst und das Publikum sogleich ins Vulgäre. Er drängt das Plüschbüsi einem Zuschauer in der ersten Reihe auf mit dem Spruch: «Sei gut zu meiner Muschi.»

Viel derber Humor
In diesem Stil geht es dann in dieser abwechslungsreichen Mafiarevue, in die der Deutsche seine Erlebnisse mit der Schweiz einwebt, zwei Stunden weiter. Sekundiert wird er von einem Leibwächter und einem Hofpianisten, die sich musikalische Duelle liefern. Ulkig, schrill und zotenhaft packt Florian Rexer das Publikum. Man kann darauf mgröhlend oder betüpft reagieren. Einiges wirkt dürftig: Zum Beispiel wenn er den greisen Johannes Heesters mit dessen Jahrhundert-Schlager parodiert: «Heut’ geh ich ins ‹Maxim›, die Spitex fährt mich hin.» Oder wenn er in einer ulkigen Krimi-Parodie erzählt: «Ich flog nach Wien. Mann, taten mir die Arme weh vom Flattern.» Dass Florian Rexer Spass an solchen simplen Kalauern hat und gerne mit vulgärem Humor zum Grölen reizt, verteidigt er gegen Ende des Programms selbstbewusst von der Bühne herunter: «Ein Abend, der nie unter die Gürtellinie geht? Ich habe keine.»

Ein begnadeter Entertainer
eben seinem gelungenen Auftritt als Double von Marlon Brando muss man bei Florian Rexer noch etwas anderes anerkennen: Er ist ein begnadeter Entertainer und ein toller Stimmenimitator, der Elvis Presley und Herbert Grönemeyer zum Verwechseln ähnlich singt und der stimmlich virtuos in schneller Folge verschiedenste Figuren in seine Geschichten packt – ein wunderbarer Erzähler und als Rampensau eine tolle Figur. Einer, der es versteht, das Publikum einzubeziehen. So redet er als Mafiaboss einen Zuschauer an: «Seit wann bist du aus dem Knast?» Am besten macht das Publikum mit im Hörspiel «Silberne Gardine oder Mein erster Ausbruch» – Zuschauer machen dazu die Töne: Schnarchen, Flaschenöffnen oder Polizeisirene.

«Bring mir mal den Bostitch»
Mafia ist der eine Teil des Programms, die Schweiz-Schau der andere: Wie sich ein eingewanderter Deutscher in der Schweiz fühlt, erzählt Florian Rexer mit Schalk – und erfreut, wie humorvoll die Schweizer doch sind. Sogar dann, wenn er selbst das Humor-Opfer ist. Beim Thema Einbürgerung bekommt er zur Antwort: «Dann müssten Sie aber abnehmen. Sonst ist das eine Masseneinwanderung.» Und als er im Theater aufgefordert wird, den «Bostitch» zu holen, merkt er zu spät, dass das kein kroatischer Mitarbeiter ist. In Deutschland nennt man das Ding halt Heftapparat oder Tacker. Florian Rexer ist einer, der es mag, wenn Schweizer über Deutsche lachen.